Pakistan: Repression gegen Arbeitnehmer der Merck-Marker-Fabrik in Quetta

Merck Marker ist ein multinationales Unternehmen, das eine Fabrik in Pakistan in der Nähe von Quetta seit 60 Jahren betreibt. Bis letzte Woche gab es dort 170 Mitarbeiter in einem Dauer- beschäftigungsverhältnis, 300 Leiharbeiter und 30 Verwaltungsnachwuchskräfte. Die Arbeiter fordern eine angemessene Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen. Sie wehren sich gegen die brutale Repression und Verhaftungen.

Merck Marker ist ein multinationales Unternehmen, das eine Fabrik in Pakistan in der Nähe von Quetta seit 60 Jahren betreibt. Bis letzte Woche gab es dort 170 Mitarbeiter in einem Dauer- beschäftigungsverhältnis, 300 Leiharbeiter und 30 Verwaltungsnachwuchskräfte. Die Arbeiter fordern eine angemessene Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen. Sie wehren sich gegen die brutale Repression und Verhaftungen.

Die deutsche Merck Gruppe stellt sich gerne selbst auf ihrer Website als innovatives Unternehmen da: "Rund 33.000 Mitarbeiter weltweit verfolgen die Strategie Bewahren-Verändern-Wachsen und wollen Erfolge auch in die Zukunft fortschreiben – für mehr Lebensqualität der Menschen. " Aber es scheint so, als ob Merck bei der Verbesserung der Lebensqualität der Menschen willentlich ihre Mitarbeiter in Pakistan ausschließen.

Durch die harte Arbeit ihrer Mitarbeiter hat die Fabrik einen Gewinn von 700 Millionen Rupien
(ca. 6 Mio. EUR) erwirtschaftet, aber die Arbeiter haben keine ausreichende Grundversorgung. Die Löhne sind sehr niedrig und die Leiharbeiter werden stark ausgebeutet. Sie erhalten einen mageren Lohn von Rs. 6000 (51.83 EUR) pro Monat. Demgegenüber hat der Geschäftsführer ein Gehalt von Rs. 13.264.000 (115.000 EUR) pro Jahr, d.h. er verdient an nur zwei Tagen mehr Geld als den Monatslohn eines Arbeiters.

Immer dann, wenn die Arbeitnehmer eine Erhöhung der Löhne und der sonstigen Leistungen fordern, wiederholt die Geschäftsleitung die Drohung, das Werk zu schließen. Die Verwaltung hat auch Briefe an die Provinz- und Stadtverwaltung verfasst, um dadurch den Arbeitnehmern zu drohen. Im Juni 2009 wurden 12 Leiharbeiter und 12 Verwaltungsnachwuchskräfte entlassen.

Die Arbeitnehmer bildeten ein Aktionskomitee und begannen gegen die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Geschäftsführung zu protestieren. Die Arbeitnehmer setzten während der Proteste auch ihre Überstunden aus. Nach den Protesten drohte die Verwaltung damit die 300 Leiharbeiter ohne Abfindung zu entlassen.

Vertreter der PTUDC (Pakistan Trade Union Defence Campaign) trafen darauf hin mit der Provinzverwaltung und dem Regierungschef der Bezirksregierung von Belutschistan zusammen, um gegen diese drakonischen Maßnahmen zu protestieren, aber letzterer versuchte auch die Arbeiter zu zwingen, ihren Protest einzustellen. In der Sitzung waren auch der Arbeitsminister und der Regierungsbevollmächtigte von Quetta anwesend. Sie sagten, dass für sie die Fabrik wichtig sei und nicht die Arbeiter. Der Regierungschef der Bezirksregierung, der ein führendes Mitglied der PPP (Pakistan People Party, Pakistanische Volkspartei) ist, zeigte die schlimmste arbeiterfeindliche Einstellung. Aber die Arbeiter blieben bei ihrer Entschlossenheit und kündigten der Geschäftsleitung an, dass sie auch weiterhin ihren Protest fortsetzen werden.

Am 10. Juli wurden 280 Arbeitnehmer entlassen. Das ist, wie wenn man 280 Familien das tägliche Brot wegnimmt! Die Unterdrückung der Arbeitnehmer hat aber hier nicht aufgehört, sondern sie hat vielmehr erst begonnen. Acht Gewerkschafter wurden bei der Polizei angeklagt, zur gleichen Zeit wurde der Generalsekretär der Gewerkschaft der Merck-Arbeiter, Manzoor Baloch, verhaftet. Er wird abscheulicher Verbrechen beschuldigt, wie gezieltem Mord, Terrorismus und Störung der öffentlichen Ordnung.

Am 11. Juli haben die PTUDC und Pakistan Workers' Confederation (pakistanische Arbeitervereinigung) einen gemeinsamen Protest zur Unterstützung der entlassenen Arbeitnehmer organisiert. Dabei wurden die Freilassung von Manzoor Baloch, die Wiedereinstellung der entlassenen Arbeitnehmer und die Aufhebung aller laufenden Verfahren gegen Arbeiter gefordert.

Am Sonntag, den 12. Juli haben Kinder der entlassenen Arbeitnehmer protestiert. Auch eine Aufforderung zum Boykott und zum Protest wurde an alle Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände von Belutschistan versendet.

Aber am 13. Juli wurden die Arbeiter von der PPP-geführten Provinzregierung von Belutschistan angegriffen. Man verhaftete 150 Beschäftigte vor der Merck-Marker-Fabrik und viele von ihnen wurden geschlagen. Die PTUDC und Pakistan Workers' Confederation starteten einen gemeinsamen Protest und forderten das Ende aller Unterdrückungsmaßnahmen.

Eine große Protestversammlung findet am 15. Juli in Quetta statt, an der eine große Anzahl von Gewerkschaftsführern und Arbeitnehmern beteiligt sein werden. Dabei geht es um folgende Forderungen:
  1. Freilassung aller inhaftierten Arbeitnehmer der Merck-Marker-Fabrik.
  2. Freilassung von Manzoor Baloch und Einstellung aller Verfahren gegen ihn.
  3. Wiedereinstellung aller Arbeitnehmer von Merck Marker mit unbefristeten Arbeitsverträgen.
Wir rufen die Arbeitnehmer von Merck Marker in anderen Ländern zu Protesten auf, um ihre Kollegen in Quetta zu unterstützen. Wir appellieren auch an die Arbeitnehmer aus aller Welt um ihre Solidarität.



Entwurf einer Protestresolution

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich protestiere gegen die Entlassungen bei Merck Marker in Quetta, die zahlreiche Familien in soziales Elend drängen, und fordere die Geschäftsführung auf, diese zurückzunehmen. Denn das Unternehmen konnte durch die Arbeit der Beschäftigten hohe Gewinne erzielen, die aber nicht an die Arbeitnehmer weitergegeben wurden. Lohnerhöhungen und soziale Mindeststandards sind dringend notwendig, um die soziale Lage der Familien der Merck-Arbeiter zu verbessern.

Das weltbekannte Unternehmen Merck mit Sitz in Darmstadt setzt sich nach eigener Darstellung für die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen ein. Die Ereignisse in Pakistan sind dagegen besorgniserregend, da die Bezirksregierung von Belutschistan brutal gegen die protestierenden Arbeiter vorgeht, die für Lohnerhöhungen und gegen Entlassungen demonstrieren. Gewerkschaftliche Aktionen werden behindert und gewalttätig aufgelöst bzw. die Arbeiter werden eingeschüchtert und verhaftet. Die örtliche Geschäftsleitung droht gar mit der Schließung des Betriebes.

Ich fordere deshalb die Geschäftsführung von Merck auf, sich für die Freilassung aller Arbeitnehmer der Merck-Marker-Fabrik in Quetta und für die Freilassung des Generalsekretärs der Gewerkschaft der Merck-Arbeiter, Manzoor Baloch, sowie die Einstellung aller Verfahren gegen ihn einzusetzen. Außerdem müssen alle entlassenen Arbeitnehmer von Merck Marker mit unbefristeten Arbeitsverträgen wieder eingestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte sendet diesen Protestbrief an das Merck-Unternehmen

Merck KGaA
Frankfurter Str. 250
64293 Darmstadt

Tel.: 06151 72-0
Fax: 06151 72-2000
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Bitte schickt außerdem einen Protestbrief an die pakistanische Botschaft in Berlin:

Schaper Str 29
10719 Berlin
Tel: 030-21244299
030-21244499
Fax: 030-21244210
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